Daten & Fakten

  1. Was plant PCC am Evonik Standort in Lülsdorf? 
  2. Europa: Produktionsstandorte, Kapazitäten, Umsätze
  3. Umweltbelastungen
  4. Standortentwicklung & Arbeitsplätze vs. Gesundheit & Wohnqualität
  5. Sicherheitstechnik

1. Was plant PCC am Evonik Standort in Lülsdorf?

  • Die Firma PCC SE plant in Lülsdorf eine Anlage zur Produktion von jährlich 180.000 t Ethylenoxid, einem hochexplosiven, giftigen und krebserregenden Gas.  140.000 t davon sollen in fünf zusätzlich anzusiedelnden Anlagen weiterverarbeitet werden. Die restlichen 40.000 t sollen über die Schiene (bis dato durch alle Orte von Niederkassel, sofern keine neue Gütertrasse mit Anschluss an die Verbindung  zwischen Bonn und Köln gebaut wird) und Schiffe an dem neuen Hafenterminal abtransportiert werden.  Man will hier also quasi einen neuen Chemiepark direkt in dicht besiedeltem Wohngebiet etablieren.
  • Das Herzstück der Anlage befindet sich auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche in nur ca. 240 m Entfernung zur Wohnbebauung. Im Umkreis von nur 3 km (Untersuchungsraum Umweltverträglichkeitsprüfung) leben ca. 40.000 Einwohner  und befinden sich 27 Kindergärten, 7 Schulen, 3 Seniorenheime , 1 Krankenhaus, die Einsatzfahrzeuge für den Rettungsdienst und den Katastrophenschutz des RSK, die auf dem DRK-Gelände stationiert sind sowie  die Trafostation für die Stromversorgung der Stadt Niederkassel. Es sind beide  Rheinseiten betroffen: 
    der gesamte Niederkasseler Norden und Langel sowie Teile von Wesseling und Bornheim Widdig.
  • Das Projekt befindet sich zurzeit in der Planungsphase. Im Februar 2020 gab es eine erste Infoveranstaltung für die Anwohner sowie eine Woche später das Scopingverfahren bei der Bezirksregierung in Köln. Die Antragsunterlagen werden voraussichtlich noch in 2020 an die Bezirksregierung übermittelt. Alle Genehmigungsverfahren sollen bis 2021 abgeschlossen sein, damit mit dem Bau begonnen und die Anlage wie geplant in 2024 in Betrieb gehen kann. In einem Gespräch teilte uns die PCC aber mit, dass sie derzeit von einer Verzögerung aufgrund von Corona ausgehen. Die Geschäftsführung von PCC und Evonik konnten in diesem Termin die Sicherheitsbedenken der Bürgerinitiative nicht ausräumen.

2. Europa: Produktionsstandorte, Kapazitäten und Umsätze

  • In ganz Europa wird heute nur an 12 Produktionsstandorten in 7 Ländern Ethylenoxid produziert. Diese 12 europäischen Standorte haben eine Gesamtkapazität von ca. 3 Mio. t Ethylenoxid pro Jahr.
  • Die Ethylenoxid-Produktion konzentriert  sich seit über 20 Jahren konstant auf wenige Standorte. Seit Jahrzehnten gibt es keine Neuansiedlungen und Kapazitätserweiterungen beschränkten sich ausschließlich auf bestehende Standorte. Die größten Anlagen befinden sich in Antwerpen (BASF, Ineos) und Ludwigshafen (BASF). In 5 der insgesamt 12 EO Produktionsanlagen ereigneten sich schwere Unfälle, entweder durch Explosionen oder durch Eintrag unerlaubt hoher Emissionswerte in die Umwelt.
  • PCC hat bis dato - nach eigenen Aussagen  - keinerlei Erfahrung mit der EO-Produktion und zudem einen deutlich geringeren  finanziellen Spielraum bei Störanfällen, verglichen mit etablierten Großkonzernen. Dadurch sind die Bürger gleich in zweierlei Hinsicht negativ betroffen: zum einen aufgrund der mangelnden Erfahrung mit der Herstellung von EO und zum anderen durch den geringeren finanziellen Spielraum zur Bewältigung potenzieller Störfälle. 

3. Umweltbelastungen:

Schutzgüter gemäß der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sind:




Trotz Einhaltung von gesetzlichen Bestimmungen wird dieses Projekt  erhebliche Zusatzbelastungen für die Bürger und Umwelt mit sich bringen.  Alle Schutzgüter  sind direkt oder indirekt  durch ein  erhöhtes Verkehrsaufkommen  auf  der Straße, der Schiene und im Wasser mit hochgiftigen Stoffen,  Lärmbelästigung, Flächenversiegelung,  Luft- und Lichtemissionen sowie einem  großen  Einschnitt in die Landschaft durch zwei 58 m hohe Türme betroffen.

Chemietürme

Beispiel CO2-Emissionen - zusätzlicher Ausstoß wie von 7.000 Pendlern:

  • PCC spricht von einer Klima schonenden Herstellung:
    „Außerdem setzen wir auf ein Klima schonendes Verfahren:  Eine CO2-Rückgewinnungsanlage bindet rund 80 % des klimaschädlichen CO2, das in der Hauptanlage entsteht. So entweicht es nicht in die Atmosphäre. Stattdessen wird es als Rohstoff nutzbar“.
  • Dies bedeutet, dass die restlichen 20 % einer absoluten Emission von 9.000 t CO2 pro Jahr entsprechen. Die geplante Anlage ist damit, unserer Meinung nach, sehr klimaschädlich, da sie doch genauso viel CO2 ausstößt wie 7.000 Niederkasseler  Kfz-Pendler.
  • Zum Vergleich: Der durchschnittliche Niederkasseler Pendler verbraucht mit seinem Auto bei einer Wegstrecke von 20 km und 220 Arbeitstagen ca. 1,3 t CO2 pro Jahr.

Aussage PCC: " Wir alle benutzen Produkte, in denen Ethylenoxid weiterverarbeitet wurde".

Ehylenoxid ist ein Ausgangstoff von Kunststoffen wie z.B.:

  • über die Produktion von Ethylenglycol zur Herstellung von Polyester (z.B. PET) für Textilien, Verpackungen, Plastikflaschen etc.,
  • Polyethylenglycole, die z.B. in der Medizin, Arzneimittel- und Kosmetikindustrie Verwendung finden,
  • Polyole, die als Grundstoffe für Polyurethan-Schaumstoffe dienen und für die Herstellung von Matratzen, Autositzen, Schuhsohlen und als Dicht- und Montageschaum verwendet werden,   
  • Celluloseether, die z.B. in der Bau-, Kosmetik-, Lebensmittel- und Textilindustrie eine Rolle spielen.

Auch wenn diese Stoffe in unserem Alltag zu finden sind, stellt sich dennoch die Frage, welche Folgen mit Dual-use Produkten (EO ist ein Dual-use Produkt)  für unsere Umwelt und z.B. auch bei militärischer Verwendung entstehen.

4. Standortentwicklung & Arbeitsplätze versus Gesundheit & Wohnqualität:

Die nachfolgenden Ausführungen werden zeigen, dass die Schaffung von 120 Arbeitsplätzen nicht rechtfertigt, dass Wohl von 40.000 Bürgerinnen und Bürger zu gefährden. Niederkassel ist eine Wohnstadt. Maßnahmen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität haben höchste Priorität für die Niederkasseler Bürgerinnen und Bürger.

  • Die Vorteile Arbeitskräfte, Wirtschaftskraft und Tradition lassen sich auf den
    2. Blick relativieren:

 

  • Die Abwägung von Pro und Contra:

  • In der lokalen Politik dreht sich alles um die Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität. Arbeitslosigkeit und Beschaffung von Arbeitsplätzen steht in keinem Parteiprogramm.


    Wichtige kommunalpolitische Themen sind:
    Ausbau der Kitas / des Betreuungsangebots,  Entwicklung der  Schullandschaft, Freizeitangebote  / Vereine, Öffentlicher  Nahverkehr, Umgehungsstraße ,  Anbindung nach Köln und Bonn, Versorgungsangebot mit Gütern des täglichen Bedarfes , ärztliche Versorgung,  Sicherheit  sowie  Umwelt- und Klimaschutz .

          

 

5. Sicherheitstechnik

Gemäß PCC entsteht eine moderne Anlage mit höchsten Umwelt- und Sicherheitsstandards. – Wie  ist diese Aussage zu bewerten?

Die Seveso III Richtlinie (Beherrschung von Gefahren bei schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen, regelt u.a. Pflichten der Betreiber von Störfallanlagen) ist eine europäische Richtlinie, die für ALLE Mitgliedstaaten gilt.  Bei uns wurde diese Richtlinie mit der Störfallverordnung (12.BImSchV) in deutsches Recht umgesetzt, im Kern sind die Rechtsvorschriften in allen EU Ländern gleich, Deutschland  ist nicht besser als Spanien (Unfall Tarragona, mit dem Hinweis, hier wäre das nicht möglich).

Auch bei den Sicherheitsmaßnahmen selber zur Vermeidung eines Störfalls gibt es keine absolut vorgeschriebenen Kriterien, die einzuhalten sind. Eine gewisse Flexibilität ist zugelassen, verschiedene mögliche Maßnahmen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Der Betreiber hat die nach Art und Ausmaß der möglichen Gefahren erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um Störfälle zu verhindern. Als störfallverhindernde Vorkehrungen empfehlen sich zwei unabhängig voneinander wirksame Schutzmaßnahmen, damit beim Versagen einer Schutzmaßnahme wenigstens eine weitere als Redundanz erhalten bleibt. Das Ganze ist nicht starr, sondern muss an neue Erkenntnisse (Stand der Sicherheitstechnik, Erkenntnisse im Hinblick auf die Stoffdaten, Eintritt eines meldepflichtigen Ereignisses) angepasst werden.

Die Schutzmaßnahmen müssen Szenarien spezifisch sein. So kann eine erste Maßnahme zum Schutz vor Bränden eine Sprinkleranlage sein. Eine zweite Maßnahme kann aber keine Berstscheibe sein, da diese dem Explosionsschutz bzw. der Drucksicherung dient.

Wenn die   Vorkehrungen zum Schutz vor Störfällen versagen, kommt es zu einem Dennoch-Störfall, hier haben alle Vorkehrungen gegen ein möglicherweise auftretendes Ereignis versagt. Dennoch-Störfälle treten Ursachen unabhängig auf, man weiß letztendlich nicht, wie der Fehler zustande gekommen ist, daher bringen zusätzliche Maßnahmen wenig. Im Hinblick auf Tarragona stellt sich die Frage, wie die PCC behaupten kann, das Gleiche könne nicht passieren. Was sind die erforderlichen Maßnahmen, damit das Gleiche nicht passieren kann? Und sind diese Maßnahmen wirksam?

Da Dennoch-Störfälle Ursachen unabhängig auftreten können, geht es im Sicherheitsbericht darum, darzulegen, wie die Auswirkungen begrenzt werden können. Die Auswirkung einer Explosion könnte nur durch ein Containment, eine Betonhülle, sicher begrenzt werden, aber das macht aus Preisgründen wohl niemand. Als Sicherheitsmaßnahme gegen Trümmerflug könnte man noch eine Mauer ziehen, aber auch das macht wohl niemand. Zum Trümmerflug gibt es keine systematische Untersuchung. 

Bei diesem Gefahrenpotenzial ist es nicht beruhigend, dass PCC keinerlei Erfahrung mit der Produktion von EO hat und sich das entsprechende Know-how in den USA einkaufen muss. Sicherheit ergibt sich erst, wenn Technik, Organisation der Arbeitsabläufe und das Verhalten des Menschen optimal aufeinander abgestimmt sind.

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